„Wellen schlagen“ – zweiter Platz für Paul Rauscher, 6C!

Das Rote Kreuz Niederösterreich hat den Redewettbewerb „Wellen schlagen“ ins Leben gerufen, um jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit der Lebensrealität von Young Carers auseinanderzusetzen. Aufgabe war es, sich in die Perspektive eines solchen jungen Menschen, der oder die Familienangehörige pflegt oder betreut, hineinzuversetzen und darüber zu sprechen: „Stell dir vor, du wärst ein Young Carer/eine Young Carerin – wie würde dein heutiger Tag aussehen?“ Die Beiträge konnten inhaltlich und formal frei gestaltet werden.
Aus dem BORG Krems nahm Paul Rauscher, 6C, teil – und sein „Wellenschlag“ erhielt die zweithöchste Punktezahl! Wir gratulieren zum zweiten Platz und einem 150-Euro-Fahrschul-Gutschein.
Paul gab uns die Erlaubnis, seinen Text hier zu publizieren. Vielen Dank dafür!

Fotos: Martin Kalchhauser

Wer mehr über die Young Carers wissen möchte, hier gibt es Infos:
Gudrun Kalchhauser, MSc
Bezirksstelle Krems

ÖSTERREICHISCHES ROTES KREUZ, LANDESVERBAND NIEDERÖSTERREICH
Mitterweg 11 , 3500 Krems an der Donau , Österreich  |  ZVR: 704274872
T: +43 (0) 664 37 57 957
E: gudrun.kalchhauser@n.roteskreuz.at  |  W: http://www.rkks.at/young-carers  |  

 

Text: 

Das Unwetter, jenes unserer am meisten herausfordert. Veränderungen, Konflikte mit Freunden, sich selbst. Gedrängt zu werden, zu wissen, wer man wird, wer man ist. Worauf man sich die nächsten 50 Jahre seines Lebens einstellt. Das Gewitter, in welchem der junge Vogel aus dessen Nest geworfen wird, dazu verpflichtet ist, zu lernen allein seine Flügel auszubreiten. Disziplin zu erlernen. Nebenbei noch die schwerste Aufgabe von allen zu bewältigen: Sich selbst inmitten des Chaos, wirbelnd in einem Hurricane, zu finden: Die Pubertät.
Üblicherweise ein Ort der Ruhe gewährend:
Unser Auge des Sturms. Unser Rückzugsort.
Ein Ort, welchen wir stets aufsuchen. Ein Ort, welcher unser Leid ausgleicht, unsere Gefühle ordnet, welcher unser bereits brodelndes Gefäß dem Überschwappen, dem Zersplittern Wache hält: Ein Zuhause. Zuhause sei für jeden etwas anderes. Etwas, dass sich im Verlauf des Lebens entwickelt. Doch für Jugendliche, deren Erfahrungen erst am Anfang des Tunnels stehen, ist es, das Heim der Erziehungsberechtigten. Fraglich ist, wenn überall Zerstörung & Konflikte diesen Weg begleiten, wo die Last den Schultern entnommen werden kann?
Ein langer Atemzug, frustrierend & sehnend nach Erholung, nach etwas Ruhe, doch dazu gezwungen, weiter diesen steilen Hang zu bestreiten, dazu gezwungen sich weiter den Herausforderungen zu stellen. Kein Ende in Sicht. Der Berg scheint endlos, das Feuer, welches jedem droht, dieser Zeit außer Kontrolle zu raten, weiter geschürt. Weiter entfacht, bis es kein zurück mehr gibt. Keinen Rückzugsort. Keine Ruhe. Eine Verantwortung zugeschrieben zu bekommen, welcher man keineswegs gewachsen ist. Ein weiter Ozean aus Angst & Verzweiflung. Aus Sorge um den Geliebten, aus Überforderung alle Erwartungen zu erfüllen, welche doch kaum Erwachsene es könnten.
Wie dann ein Kind?
Während all jene das Leben beginnen, beginnen die leere Leinwand ihrer Persönlichkeit zu gestalten. Beginnen das Bild zu kreieren, welch Wurzeln dem Ende widerspiegeln, bleibt jene verlorene Seele in der verschlossenen Zelle zurück. Einer Zelle, dessen Tore unmöglich scheinen zu öffnen. Einem Gefängnis, jener Geist niemals ausbrechen könne. Dessen Schloss niemandes Schlüssel zugehörig fühle.
Der Vogel fällt
Wie sollte jener überhaupt fliegen, so doch Felsen auf dessen Rücken lasten, bevor dieser überhaupt lernen konnte sich dem Südwind gegenüber zu erheben.
Wissend, er würde bald den Abgrund erreichen, das unausweichliche Ende, so frage ich mich, wäre es zu spät zu helfen? Wäre es zu spät, die Felsen, die Last zu entnehmen. Könnte sich jener noch aufraffen, könnte jener dem sich nähernden Tod entfliehen? Vielleicht. Wir müssen es versuchen.
Versuchen das Schloss der Zelle zu brechen, versuchen dem Meeresgraben zu entkommen, seichtere Gewässer zu erreichen, um helfen zu können. Helfen zu können, erlernen zu schwimmen. Den Strom zu bekämpfen bevor jener droht, sie in die Tiefen zu ziehen, jener Luft zu berauben, jener zwingt zu ersticken, bevor sie überhaupt lernen konnten richtig zu atmen.
Sie verdienen einen Anfang. Einen Anfang wie jeder andere. Eine Möglichkeit unreif zu sein, eine Möglichkeit sich mit sich selbst zu beschäftigen, Zeit zu haben. Zeit zu haben, Interessen zu entdecken. Interessen, welche vielleicht das ganze Leben prägen. Verdienen die Möglichkeit Dummheiten anzustellen. Verdienen es ein
Teenager, statt schon ein Erwachsener
zu sein.

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